Erinnert ihr euch noch an den klassischen Schulstuhl aus Sperrholz und Stahlrohr? Unzählige Unterrichtsstunden, Kritzeleien auf der Unterseite, tausendfach produziert – und irgendwann ausgemustert. Was passiert, wenn man diesen vertrauten Gegenstand nicht als Abfall begreift, sondern in seine Einzelteile zerlegt und neu betrachtet? Genau hier setzt das neue Halbjahresprogramm des designforum Vorarlberg an. Passend zur Ausstellung „rAusnahmezustand“ zeigt das Sujet kein fertiges Produkt, sondern den Prozess der Zerlegung und Bestandserfassung.

Verantwortlich für die visuelle Identität ist das Wiener Grafikdesign-Studio und die Type-Foundry Nguyen Gobber (Hoang Nguyen & David Gobber). Ausgangspunkt waren eine Inspektion in einer Wiener Mittelschule und die technischen Baupläne von Mayr Schulmöbel. Sämtliche Komponenten wurden geometrisch nachgezeichnet, grafisch isoliert und neu arrangiert. Wie bei einem geöffneten Bausatz liegen Rohre, Holzflächen, Schrauben und Beschläge nummeriert und beschriftet bereit – zur Bestandsaufnahme, Einlagerung oder Wiederverwendung. Darüber steht die typografische Headline rAusnahmezustand in Versalien. Das abweichend gemusterte „r“ setzt einen Akzent und verankert den Gedanken von Reuse im Design.
Die hohe Informationsdichte spiegelt die globale Überproduktion und wirft die Frage auf: Was sehe ich da eigentlich – und was mache ich mit dem Vorgefundenen? Bei genauerem Hinsehen wird aus dem vermeintlichen Durcheinander eine präzise Ordnung. Technische Vektorlinien, detaillierte Bauteilbezeichnungen und ein kühler Silberton machen deutlich: Hier geht es um die analytische Bestandsaufnahme des Vorhandenen.
Auch haptisch greift das Programmheft die Ausstellungsthematik auf: Gedruckt auf Nautilus Classic (80 g/m²), unterstreicht das matte, ungestrichene Recyclingpapier den Gedanken der Ressourcenschonung. Das neue Heft liegt ab sofort im designforum Vorarlberg auf. Kommt vorbei, sichert euch euer Exemplar und entdeckt die Ausstellung „rAusnahmezustand. Eine Ausstellung gegen Überforderung“.
Zum Halbjahresprogramm geht es hier.